
Ein Facilitator kann ein Prozess- oder Dialogbegleiter sein, der eine Gruppe darin unterstützt, ihre eigenen Grundannahmen, Überzeugungen und Werte zu verstehen. Facilitators findet man in Wirtschafts-, Regierungs- und Non-Profit-Organisationen, in der Aus- und Weiterbildung und vielen anderen Bereichen (nach IAF, Int. Association of Facilitators). Dieser Artikel beschreibt die Entstehungsgeschichte dessen, was wir heute ‘Facilitation’ nennen. Außerdem geht es um aktuelle, weltweite Entwicklungen sowie um die Rolle und Ziele des Facilitators.
Facilitatoren sind Spezialisten für effektive Meetings und jegliche Veranstaltung bzw. Initiativen in denen Menschen gemeinsam Zukunft planen. Ziel ist die Beteiligung aller Menschen, die von einer bevorstehenden Entwicklung betroffen sind. Menschen, die Informationen zur Sache und Macht und Mittel haben, Dinge in Bewegung zu setzen – also aller Menschen, die zum System gehören, die einen spezifischen Anspruch haben oder zumindest ein Anliegen. Im Kern geht es darum, die persönlichen Fähigkeiten und Ziele von Menschen mit den Zielen und Potentialen einer Organisation zu verbinden.
Facilitation als Begriff ist im deutschsprachigen Raum Anfang des 21. Jahrhunderts noch jung. International betrachtet hat Facilitation bereits eine beachtliche Geschichte. Denn Facilitation geht als Kommunikations- und Führungsphänomen in seinen Grundprinzipien u. a. zurück auf die Quäker, die bereits vor mehr als 300 Jahren einen so genannten Konsens-Prozess entwickelten. Für das heutige Selbstverständnis des Facilitators gelten vor allem auch Gestalt- und Sozialpsychologen als Wegbereiter (Solomon Asch,1907-1996, “Conditions for Effective Dialogue” und Kurt Lewin, 1890-1947, Begründer der Feldtheorie und Aktionsforschung).
In den 1970er Jahren fanden unter der Leitung von Ronald Lippitt und Eva Schindler-Rainman in Nordamerika die ersten Konferenzen mit großen Gruppen statt (etwa 250 und mehr Teilnehmer). In den 1980er und 90er Jahren wurde die Idee der Großgruppenverfahren mit dem Ziel, systemweite Veränderungs- und Wandlungsprozesse zu beschleunigen, weiter entwickelt (”Facilitating Whole System Change”). Das Institute of Cultural Affairs (ICA) entwickelte und unterstützte beteiligungsorientierte Dialogmethoden und Verfahren (Technology of Participation, TOP®). Es entstanden darüber hinaus Ansätze wie Open Space Technology (Harrison Owen, 1992), Real Time Strategic Change (Kathleen Dannemiller & Robert Jacobs, 1993), Appreciative Inquiry Summit (David L. Cooperrider & S. Srivastva, 1990) und die Zukunftskonferenz / Future Search (Marvin Weisbord & Sandra Janoff, 1995).
Heute werden zunehmend herkömmliche Kommando- und Kontrollstrukturen durch beteiligungsorientierte Entwicklungs-, Veränderungs- und Entscheidungsprozesse sowie Selbstorganisation in komplexen Systemen, wie z. B. Organisationen, Städten/Gemeinden, Regionen und Netzwerken, abgelöst. Vor allem, wenn es nicht um die gezielte Vermittlung von Fach- und Methodenwissen geht, führen partizipative Ansätze meist zu besseren und nachhaltigeren Ergebnissen als Frontalvorträge oder direktive, umfassend gesteuerte Vorgehensweisen. Das ist nicht neu. Neu ist aber, dass diese Entwicklung zu erweiterten Aufgaben, Rollen und einem zum Teil neuen Beratungsverständnis geführt hat. Neu ist auch das Berufsbild und Rollenverständnis des Facilitators sowie der Facilitation-Ansatz in der Rolle der Führungskraft (Facilitative Leadership).
Was sich in Deutschland immer noch ungeklärt zwischen Training, Moderation, Prozessbegleitung und systemischer Organisationsberatung abspielt, hat im internationalen Kontext einen Namen: Facilitation.
Facilitating nimmt weltweit zu: In den Vereinigten Staaten ist der Facilitator ein etabliertes Berufsbild mit eindeutigem Tätigkeitsfeld. Bereits 1994 wurde in Alexandria, Virgina, U.S.A., die „International Association of Facilitators (IAF)“ gegründet, die heute mehr als 1500 Mitglieder in über 60 Ländern umfasst.
Spricht man in den deutschsprachigen Ländern den Begriff „Facilitation“ (Hauptwort) oder “Facilitating” (Verlaufsform) aus, so kann es passieren, dass der Gesprächspartner an Gebäudemanagement („Facility Management“) denkt. Der Begriff „Facilitation“ bzw. „Facilitating“ im Kontext der Organisationsentwicklung steht dagegen für „Erleichtern, Leichtigkeit, Möglichkeit“ und zielt ab auf eine sich weltweit stark verbreitende Führungsphilosophie, die weitestgehend auf direktive Elemente verzichtet zugunsten von Partizipation und Selbststeuerung.
Ein Facilitator, der Gruppen- und Veränderungsprozesse auf der Basis von Facilitation-Prinzipien leitet, arbeitet mit
- dem Wirkmechanismus offener, meist bereichsübergreifender Dialoge,
- der resoluten Einbeziehung der Beteiligten bereits von der Planungsphase an („Joint Application Design“),
- einer rein auf Methoden- bzw. Verfahrensexpertise beruhenden Rolle und Haltung
- sowie einem eher zurückhaltend geprägten Habitus seiner Beratungs- und Moderationsleistung.
Der Facilitator ist Experte für Methodik und Dynamik. Er ist kein Experte für die Inhalte eines Prozesses oder einer Veranstaltung – das überlässt er den Teilnehmern, denn das erforderliche Wissen, um Herausforderungen erfolgreich zu begegnen, ist bei vielen Aufgabenstellungen ohnehin in den Organisationen und ihren Umfeldern vorhanden. Und er überlässt es ihnen nicht nur, sondern als Facilitator im Wortsinn erleichtert er es den Teilnehmern, ihre Ressourcen zu nutzen. Beteiligt werden in der Regel alle, die Informationen zur Sache haben, die von den Auswirkungen der Veränderung betroffen sind und die über Macht und Mittel verfügen, Dinge in Bewegung zu setzen. Der Facilitator schafft als unabhängiger Experte für Verfahren und Prozesse den Raum, in dem sich die Beteiligten sicher, autark und geführt zugleich fühlen, um ihre eigenen Lösungen zu entdecken.
Ziel des Facilitating ist es, die Potentiale einer Gruppe und ganzer Systeme zusammen zu bringen, somit Prozesse zu beschleunigen und den häufig eingeforderten Paradigmenwechsel in Organisationen (hin zu mehr Eigenverantwortung und Initiative) bereits durch die Herangehensweise in der Praxis vorzubereiten.
Der Facilitator wirkt wie ein Teilchenbeschleuniger in wandelresistenten Umfeldern. Er ist ein Reiseleiter, der seine Klienten mitnimmt auf eine beschleunigte Zeitreise, ausgehend von einer in unterschiedlichem Maß ausgeprägten Zufriedenheit mit der aktuellen Situation über die Leugnung existierender Herausforderungen durch Phasen des Chaos bis hin zur Erneuerung (nach dem Modell des 4-Zimmer-Appartments von Claes Janssen, 1982).
Fordern Sie bei Interesse gerne den Artikel “Facilitation: Ein neues Paradigma für die ressourcenorientierte Handlungsfähigkeit von Organisationen” an: eMail: info@kommunikationslotsen.de
Die Kommunikationslotsen unterstützen Veränderungsprozesse in Unternehmen und Organisationen.
Wir sind erfahrene Berater, Facilitators und Visualisierer. In der Regel arbeiten Facilitator und Visualisierer als Team in einem Projekt.
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